Vom Ursprung

Verortung
Alle Fotografien sind unterhalb oder oberhalb der Quellen von Vorderrhein, Hinterrhein, Averser Rhein und Madrischem Rhein in Graubünden entstanden, wobei es sich bei den beiden letzteren um Zuflüsse des Hinterrheins handelt.
Herangehensweise
Meine Idee ist es, landschaftlich-räumliche Situationen rund um die Rheinquellen so zu fotografieren, dass die Abbildung von Gestein, Schneeresten, Flussadern, usw. zugunsten einer entrückten, fast abstrakten Wiedergabe kippt. Mich interessiert die Wahrnehmung und das Enthüllen von etwas, das sich hinter der fotografisch darstellbaren Oberfläche, hinter der sichtbaren Realität verbergen kann. Es ist ein schon bei der Aufnahme ein Prozess des Suchens nach dem Changieren zwischen Abstraktion und realer fotografischer, präziser Darstellung, der sich bei der Ausarbeitung der Negative in der Dunkelkammer fortsetzt.
Der Ursprung als Rätsel
Alle Fotografien sind unterhalb oder oberhalb der Quellen von Vorderrhein, Hinterrhein, Averser Rhein und Madrischem Rhein in Graubünden entstanden, wobei es sich bei den beiden letzteren um Zuflüsse des Hinterrheins handelt.
Herangehensweise
Meine Idee ist es, landschaftlich-räumliche Situationen rund um die Rheinquellen so zu fotografieren, dass die Abbildung von Gestein, Schneeresten, Flussadern, usw. zugunsten einer entrückten, fast abstrakten Wiedergabe kippt. Mich interessiert die Wahrnehmung und das Enthüllen von etwas, das sich hinter der fotografisch darstellbaren Oberfläche, hinter der sichtbaren Realität verbergen kann. Es ist ein schon bei der Aufnahme ein Prozess des Suchens nach dem Changieren zwischen Abstraktion und realer fotografischer, präziser Darstellung, der sich bei der Ausarbeitung der Negative in der Dunkelkammer fortsetzt.
Damit möchte ich Betrachter und Betrachterinnen ermöglichen, über die äußere sichtbare Realität hinaus zu denken und eigene Assoziationen zum Ursprung anzuregen – ganz im Sinne von Hölderlins Rhein-Hymne, deren erste Ebene nach Rainer Nägele, einem US-amerikanischem Literaturwissenschaftler, die “Geschichte von einer gebrochenen Ursprungsbewegung und deren Folgen” erzählt.
Der Einfluss von Hölderlins Rhein-Hymne auf meine Arbeit
Bei allen fotografischen Erkundungen der Rheinquellen auf 2000 bis knapp 2500 Metern über dem Meeresspiegel inspirierten und begleiteten mich die ersten sechs Strophen des Gedichtes. Denn nur in diesen ersten zwei „Parthien”, wie Hölderlin jeweils drei Strophen zusammenfasst, ist im eigentlichen Sinne der quellnahe Rhein das Thema. Ab der siebten Strophe wird er nicht mehr benannt und verschwindet sozusagen aus dem Gedicht.
Daher habe ich mich im Wesentlichen mit die ersten sechs Strophen des größten und längsten der fünf Strom-Hymnen Hölderlins beschäftigt. Hilfreich bei diesem auf den ersten Blick nicht leicht zugänglichem, komplexen Gedicht war für mich der Essay Dichten – Denken im Fluss von Rainer Nägele*. Darüber hinaus war mir die Interpretation von Wolfgang Binder eine wertvolle Hilfe, die Rhein-Hymne zu verstehen. Sie ist 1977 in Tübingen im Jahrbuch 19/20 der Hölderlin-Gesellschaft erschienen.**
Nach Rainer Nägele folgt der Verlauf des Gedichtes einer genau festgelegten „Sequenz von Tönen, wie Hölderlin das nennt; wobei er drei Haupttöne unterscheidet: einen naiven, einen heroischen und einen idealischen Ton. Damit wird zunächst deutlich, dass Hölderlin die Konstruktion des Gedichtes in Analogie zur musikalischen Komposition sieht.”
Nägele schreibt weiter: „Etwas grob skizziert kann man die drei Haupttöne wie folgt charakterisieren: der naive Ton ist die ruhige Darstellung einer einfachen, in sich begrenzten gegenständlichen Welt – man könnte als Analogie vielleicht an die holländische Genre-Malerei denken; der heroische Ton ist bewegte, stürmische Darstellung leidenschaftlicher und auch leidvoller Situationen; der idealische Ton ist nach Hölderlin Metapher einer intellektuellen Anschauung, die eigentliche Form poetischen Denkens und Darstellung der poetischen Vernunft.”
Umsetzung

Der freie Rhythmus des Gedichts hat mich tatsächlich auch zu einer freien, von klassischen Kompositionsregeln bisweilen losgelösten Bildkomposition und zu einer oftmals akzentuierten, mithin sehr harten Tonwert-Wiedergabe in meinen Fotografien inspiriert.
Vor allem aber, führten mich die drei Haupttöne der ersten zwei „Parthien” – gewissermaßen als Experiment – zu einer Bildanordnung in drei Sequenzen:
Im Ausstellungsraum 1 links befindet sich eine Sequenz, die ich dem “naivem” Grundton zuordne, an der langen Wand links im Raum folgt eine größere Sequenz, die ich mit dem “idealischem” Grundton verbinde und an der hinteren linken Wand des Raumes findet sich eine Sequenz, die ich dem “heroischem” Grundton zuordne.
*)
erschienen in: Rauschenbach, Catja (2008): Der Rhein – quellnah, 1. Auflage, Schaan, Lichtenstein, Alpenland Verlag.
**) Jahrbuch der Hölderlin-Gesellschaft; vergriffen. Als Digitalisat zugänglich unter:
https://www.hoelderlin-gesellschaft.de/website/de/publikationen/jahresbuecher-digital/inhaltsverzeichnisse/jahrbuecher-11-20

Vom Ursprung